Eingang zur Schule von N.P.H .
Das war letzte Woche und seit ca 12 Tagen macht der liebe Vulkan täglich solche Dinge...es gibt immer kleine bis größere Explosionen und Eruptionen, die diese gewaltigen Rauchwolken verursachen, der Wind verträgt die austretende Asche und beglückt uns dann mit Ascheregen.
Die Einheimischen sagen, dass der Vulkan jedes Jahr um diese Zeit sehr aktiv ist und oft Rauchwolken zu sehen sind, aber im Moment ist viel mehr wie in den letzten Jahren. Auch sagen sie, dass es gut ist wenn die Asche und der Rauch rauskommt, denn wenn sich alles im Inneren aufstauen würde, würds irgendwann eine riesengroße Explosion geben und das wollen wir ja alle nicht.
Vor zwei Tagen ist das Militär mit 100 Mann angerückt, um im Falle einer Evakuation vor Ort zu sein. Die Spezialisten aus Managua haben den Vulkan in genauster Beobachtung und falls es wirklich schlimmer werden sollte wird sofort Bescheid gegeben. Auch gibt es einen Evakuationsplan für die gesamte Insel. Vor ca 2 Monaten war auch eine Übung, um die Bevölkerung im Falle des Falles daruaf vorzubereiten.
35 000 Menschen haben Platz auf die andere Seite der Insel gebracht werden die restlichen 5000 bekämen eine Platz auf den Schiffen und Booten, um aufs Festland zu gelangen.
Bis jetzt ist es aber noch gar nicht soweit. Die Nachrichten sagen, dass alles für ein etwaige Evakuation bereit steht aber sich die Gefahr noch immer auf der grünen Alarmstufe befindet. (wollen wir das mal glauben +gg+)
Bei uns bei N.P.H. hat der rauchende Vulkan in den letzten Tagen natürlich auch ziemlich für Aufruhr gesorgt. Informationen drangen nur spärlich durch und so konnten wir nur immer wieder beobachten, wie viel Rauch und Asche der gute Berg ausspuckt.
Spekulationen von allen Seiten brauten sich zu Gerüchten auf und niemand wusste wirklich, wie der Plan aussieht, wenn sich der Vulkan nicht wieder beruhigt.
Vorweg...schon seit längerem ist geplant, dass wir die Osterwoche mit allen Kindern in Jinotepe verbringen (dort wo das neue Zentrum von N.P.H. gebaut wird und bis jetzt nur die 16 bis 18-Jährigen wohnen).
Nun teilten uns leise Stimmen vor dem Wochenende mit, dass wir eventuell schon eine Woche früher nach Jinotepe fahren, um der Gefahr des Vulkanes aus dem Weg zu gehen bzw. dann auch länger dort bleiben, bis er sich wieder beruhigt hat. Leider konnte uns bis gestern früh niemand sagen, was nun wirklich auf dem Plan steht.
Wir versuchten durch unsre Koordinatorin an Infos zu kommen, doch es hieß, alles bestens, es gibt für die nächsten Tage noch keinen Grund zur Evakuation und nach Jinotepe gehts so auch erst in der Osterwoche.
Nadine und ich verließen so am Samstag nach dem Gespräch mit unsrer Koordinatorin das Haus, um auf die andre Seite der Insel nach Mérida zu fahren (hatten ja Descanso)
Am Nachmittag nachdem wir aus weiter Ferne einen erneut
sehr stark rauchenden Vulkan
beobachtet hatten erhielten wir die freudige Nachricht via Telefon.
Eine Voluntärin rief uns an und teilte uns mit, dass der Direktor unseres Hauses entschlossen hat, uns alle am Sonntag zu evakuieren. Nadine und ich waren mal kurz perplex, weil diese Nachricht nun doch sehr aprupt und schnell kam und wir ja eben erst vor ein paar Stunden mit dem Wissen, die Evakuation wird in den nächsten Tagen nicht stattfinden, ins Wochenende gestartet sind.
Gestern hatten wir keinen Bus mehr zurück nach N.P.H. deshalb machten wir uns einen schönen Abend in Mérida. Die andren teilten uns auch mit, dass wir nicht aufgrund einer sich erhöhten Gefahr des Vulkans evakuiert werden sondern desewegen, weil viele Eltern der Kinder darauf bestanden haben die Kinder in Sicherheit zu bringen und erst gar keiner Gefahr auszusetzen.
Chaos hin und her, Spekulationen hier und da, wir kehrten somit heute (Sonntag) am Vormittag nach N.P.H. zurück und waren uns bis wir die leeren Häuser vorfanden ziemlich sicher, dass sich die Kinder inkl. Tíos und Volunteers noch nicht auf den Weg gemacht haben. Nach Nica-Gemütlichkeit dachten wir uns, das wird wohl doch etwas länger dauern. Doch dem war nicht so. Wir kamen uns ein bisschen wie im Film vor +g+ ein riesengroßes Gelände und keine Menschenseele zu sehen. Unser Hühnerbauer teilte uns dann mit, dass tatsächlich alle schon in der Früh abgehauen sind. +gg+
Wir telefonierten dann noch mal mit unsren Kolleginnen und so werden Nadine, Ryan und Megan, die erst heute von dem Glück der Evakuation erfuhren und auch im Descanso waren, und ich heut unsre Sachen packen viele Spiele, Bälle und Bastelsachen einpacken und morgen nach Jinotepe aufbrechen.....
..... 2 WOCHEN Jinotepe (Minimum)..... ich weiß nicht, ob ihr euch daran erinnert, was ich damals über Jinotepe geschrieben habe, als wir während der Ferienzeit der Kinder mit den Kindern, die nicht zu ihren Familien fuhren, einen Tag und eine Nacht in Jinotepe verbrachten. Es ist ja voll schön dort, nur leider immer noch Baustelle zum Großteil zumindest. Damals waren wir gut ein Drittel der Kinder, die wir jetzt sind und wir mussten uns schon die Matratzen zum Schlafen teilen, und wir blieben nur eine Nacht. Jetzt sind wir statt den damals knapp 50 Kindern 150 und fahren nach Jinotepe, wo weitere 40 leben, dazu 11 Volunteers die ganzen Tíos usw.
Irgendwie freu ich mich schon drauf, wird sicher ein Erlebnis---- die Schlacht um die Matratzen beginnt +hahaha+ ich glaub die kommenden zwei Wochen werden zur Härteprobe, knapp 200 Kinder auf einen Fleck, und wir mittendrin. Ein weiteres Problem ist, dass es in Jinotepe kaum Spiele für die Kinder gibt, d.h. Nadine und ich werden uns morgen mit Fußbällen, Bastelsachen und Slackline bepacken und mit hoffentlich viel Energie in den Knochen ins Ferienlager Deluxe aufbrechen :D
Ich schau den kommenden zwei oder mehr Wochen optimistisch entgegen und ich glaub wir werden das Beste draus machen, ein Spaß wirds sicher, das steht fest!!!!!
Ich hoff auch, dass sich der Vulkan nach Ostern wieder beruhigt hat, damit wir alle nach Hause zurückkehren können, um auch mit unserer eigentlichen Arbeit fortzufahren, die wir jetzt leider unterbrechen muessen :/
Stört mich deshalb ziemlich, weil ich mich gerade jetzt so wohl in meiner Arbeit fühle und grad alles den Rhytmus bekommen hat, den es angenehm macht nach vier coolen Wochenendtagen mit viel Enthusiasmus in die Arbeitswoche zu starten. Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag früh von 7:00 bis 9:00 die Kinder von unsrem grad gestarteten Projekt Samaritano (sind 8 Kinder im Alter von 3 Monaten bis 10 Jahren mit unterschiedlichen neurologischen Syndromen, mentaler Beeinträchtigung und Sprachproblemen). Danach geht jeweils die Arbeit in der Schule weiter mit den Kindern von N.P.H., und Dienstags gehts immer ins Casa Asis zu den Kleinen von N.P.H., um dort Gruppen- und Einzelterhapeutisch tätig zu sein. Tja das wäre der Plan und wird hoffentlich auch wieder so weitergehen, wenn sich der Vulkan dazu entschieden hat, still zu sein +g+
Vorerst heißts jetzt mal viele Kraftquellen aktivieren, um den Kindern zwei unterhaltsame Wochen zu bieten ;)
Noch ein paar lustigere Geschichten zum vergangenen Wochende.
Freitags sind Nadine und ich nach Rivas aufs Festland gefahren, um einige Sachen, wie Geld abheben, dies und das einkaufen, uns nach Fahrrädern erkundigen (wollen uns nämlich welche zulegen, sind hier auf der Insel sehr prakisch), usw. erledigen. Machten uns gegen Nachmittag wieder auf dem Heimweg. Diesmal fuhren wir mit einem besonders altem Boot, ist am billigsten und fährt nicht nach Moyogalpa sondern San Jose, das näher zu N.P.H. liegt, also perfekt, dachten wir.
Dazu sagen muss man jedoch, dass wir zuvor schon schlechte Erfahrungen mit diesem Fischkutter gemacht haben, denn einmal als wir in der Früh nach San Jorge wollten, um ins Casa Asis zu fahren, gab das Boot nach 10 Minuten den Geist auf, der Motor war wohl abgesoffen, Rauch kam aus dem Bauch des Bootes und so mussten wir umkehren, wir schafften es gerade wieder bis ans Ufer, da wir ja noch nicht weit entfernt waren--- das nur als Vorgeschichte.
Jedenfalls, als wir dann mit gutem Gewissen in die Lancha, so nennen sie hier diese Boote, einstiegen und bei ziemlich starken Wellengang (seetauglich bin ich nach diesem Jahr zu 100%) losshipperten, dachten wir uns noch nichts. In der Ferne konnten wir zum Schrecken den erneut rauchenden Vulkan beobachten und wenige Momente später machte der Motor der Lancha ziemlich beuunruhigende Geräusche.... und tatsächlich ---- er soff wieder mal ab!!!!!!! Nun waren wir uns nicht mehr ganz sicher--- ist nun der rauchende Vulkan oder das Boot auf dem wir uns befinden gefährlicher....?????
-- passiert ist uns nichts, wir sind auf der Insel angekommen, zwar nach 2 Stunden, nassgespritzt von den Wellen aber lustig wars +ggg+ (eig fährt man 1 Stunde)
Als wir dan ankamen wars schon dunkel und wir organisierten uns noch eine Mitfahrgelegenheit, da wir nicht zu Fuß bei Dunkelheit gehen wollten. Alles gut gegangen ;)
Samstags sind wir ja, wie schon kurz erwähnt auf nach Mérida, um dort unser restliches Descanso zu verbringen. Da sich der Bus wieder mal nicht blicken ließ, nutzten wir die Gelengenheit ein bisschen mit unsrem Bauer von N.P.H., der schon seit 70 Jahren auf der Insel lebt zu quatschen und über den Vulkan zu plaudern. Bald kam ein Auto mit zwei Männern vom Fernsehen (Canal 11 ;)) und positionierten gleich mal ihre Kamera in Blickrichtung auf Vulkan....Konnten dieses Spektakel nicht mehr länger beobachten, da sich uns gleich mal eine Mitfahrgelegenheit auf der Ladefläche eines PickUps auftat und die mussten wir natürlich annehmen. Aber später kams noch besser +zwinka+
Also wir fuhren mit dem PickUp mit bis ins nächste Dorf -- San Jose -- und machten es uns auf einer Bank gemütlich, auf der wir schon einmal auf den Bus gewartet hatten. Bald kamen wir mit ein paar Leuten von der benachbarten Bar ins Gespräch, quatschten über dies und das und wurden eingeladen doch wieder zu kommen um gemeinsam zu essen usw. Ein Kellner (od. glaub ich auch Besitzer der Bar) ist bei N.P.H. zur Schule gegangen, auch ein guter Freund von Tía Martha, der Tía aus meiner Sección .... So ists richtig schön Leute kennenzulernen und man ist nicht mehr der Tourist sondern fühlt sich schon ein bisschen so als ob man dazu gehört, weil man ja auch sein Leben hier hat ;)
Jedenfalls hat uns Danny so heißt der Bursch aus der Bar gleich eine Notiz auf einen Zettel geschrieben, im Falle, dass wir Kayaken gehen wollen (das hätten wir eig vorgehabt für dieses Wochenende, ist sich dann aber leider nicht ausgegangen), mit einem Auftrag an den Inhaber der Verleihstelle für Kayaks nahe Mérida, dass er uns zwei hübschen Mädels einen guten Preis machen soll, gut behandeln soll, usw. mit Gruß von ihm --- sehr zuvorkommend +gg+ so sind sie die Nicas.
Kurz danach hielt wieder das Auto mit den zwei Reportern vom Fernsehen neben uns an. Zuerst glaubten wir sie würden vllt in die gleiche Richtung fahren und uns eine Mitfahrgelegenheit anbieten, aber NEIN -- wir wurden zu Opfern eines Interviews +hahahaha+
Also liebe Leute jetzt ists soweit, nach nur drei Monaten in Nicaragua habens Nadine und ich schon ins Fernsehen geschafft (Canal 11-- für den Fall, dass irgendjemand NicaTV empfangen kann +looool+) Sie befragten uns zur Insel, wies uns gefällt, welchen Eindruck wir vom Tourismus hier haben, wies um den Vulkan jetzt steht usw. War wirklich sehr interessant. Danach notierten sie noch unsre Namen und email-adressen und weg waren sie auch schon wieder ;D
Nach dem Interview erblickten wir dann endlich den nahenden Bus und wir begaben uns auf die Weiterreise nach Mérida. Über Stock und Stein erreichten wir die Hacienda Mérida einige Stündchen später. Mérida ist ein kleines Dorf auf der andren Seite der Insel, in der Nähe von dort aus ich auch den Vulkan Maderas erklommen hab. Wir verbrachten einen gemütlichen Tag, mit Spaziergang, Chillen am See, Beobachten des Vulkans (!), gutem Essen und der Suche nach neuen FlipFlops oder Sandalen.
Liebe Mama meine FlipFlops haben nun den Geist aufgegeben. War nicht grad so angenehm, da ich keine andren Schuhe mithatte, und der Boden der tlw. aus schwarzen Vulkansand besteht sehr sehr heiß wird, wenn den ganzen Tag die Sonne draufscheint!!!!! Nach einem Orientierungslauf von Schattenplatz zu Schattenplatz, um meine schon fast brennenden Fußsohlen zu kühlen, stießen wir zum Glück auf eine Bodega, wo es ausreichend Flip Flops und anderen Krims Krams zu kaufen gab. Während meiner vorigen recht hastigen Laufaktionen grinsten mir einige Dorfbewohner sehr schmunzeld zu und als ich dann ein zweites Mal an ihnen vorbeispazierte, diesmal mit Sandalen, riefen sie mir gleich zu, ob ich nun doch welche gefunden hätte....so lernt man gleich das ganze Dorf kennen.
Am Abend konnten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten, danach genossen wir ein Superabendessen, wir übernachteten im Freien in einer Hängematte und so gings am Sonntag in der Früh doch recht ausgeruht zurück nach N.P.H., wo wir, wie ich schon erzählt hab, ein leeeeeeeres Gelände vorfanden.
Haben den resltichen Sonntag dazu genutzt unsre Wäsche zu waschen, ein bisschen auszuspannen, gemeinsam zu kochen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Genau das Richtige, um Kraft für die kommende Zeit zu sammeln.
Also wie gesagt, morgen verlassen wir die Insel, drückt mir die Daumen, dass sich dieser Vulkan wieder beruhigt.
Bis auf weiteres viele Bussis und Schöne Ostern --- weiß nicht, wann ich das nächste Mal Internet haben werd.
Verena
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5. Descanso - ein turbulentes Wochenende |